Integrationsbegleiterinnen in Kitas

Das Modellprojekt „Integrationsbegleiterinnen in Kitas“ wird seit 2016 vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKFFI) und der Auridis Stiftung gefördert und von der AWO OWL in Ostwestfalen-Lippe durchgeführt.
Wir beraten Sie gerne zur Umsetzung einer Schulung für Integrationsbegleiterinnen in Kitas in Ihrer Kommune in NRW.

Im Jahr 2020 führte das Forschungsunternehmen INTERVAL GmbH eine externe Evaluation des Modellprojekts „Integrationsbegleiterinnen in Kitas“ durch. Hier wird deutlich, dass die Integrationsbegleiterinnen durchgehend eine Unterstützung für Kinder und Eltern mit Migrations- oder Fluchthintergrund sind. Die Evaluationsergebnisse finden Sie hier

Projektidee und Ziele

Das Projekt zielt auf die Integration von Kindern und Familien mit Flucht- oder Migrationserfahrung in Kitas. Es setzt dabei auf drei Ebenen an:

1. Schulung von Frauen mit Integrationserfahrung
Frauen mit eigener Integrationserfahrung aufgrund von Flucht oder Migration werden zu Integrationsbegleiterinnen geschult und bekommen einen niedrigschwelligen Zugang zum Arbeitsmarkt.

2. Unterstützung von Kindern und Eltern
Die Integrationsbegleiterinnen unterstützen Kinder und ihre Eltern mit Flucht- oder Migrationserfahrung in Kitas. Sie fungieren als Mittlerinnen zwischen den Kindern und ihren Familien auf der einen Seite und Fachkräften auf der anderen Seite, dolmetschen und sind Identifikationsfiguren.

3. Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte
Pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen werden durch den Einsatz der Integrationsbegleiterinnen unterstützt und entlastet.


Projekthistorie

Die AWO OWL führt seit März 2017 Schulungen für Integrationsbegleiterinnen in Kitas in Ostwestfalen-Lippe durch.
In den ersten vier Schulungsrunden haben 85 Teilnehmerinnen zw. 20 – 54 Jahren an der Schulung in OWL teilgenommen. Von diesen haben 73 Teilnehmerinnen die Schulung erfolgreich als Integrationsbegleiterinnen abgeschlossen. Zusätzlich haben 11 Teilnehmerinnen den Unterrichtsteil der Schulung erfolgreich abgeschlossen, konnten aber pandemiebedingt oder aufgrund persönlicher Umstände ihr Praktikum in einer Kita, welches Bestandteil der Schulung ist, nicht (oder aufgrund einer Schwangerschaft noch nicht) beenden.

Der Bildungshintergrund der Teilnehmerinnen ist sehr unterschiedlich. Teilgenommen haben Frauen ohne Schulabschluss bis hin zu einem in Deutschland anerkannten Hochschulstudium.

Die Herkunftsländer der Teilnehmerinnen sind Afghanistan, Ägypten, Albanien, Georgien, Irak, Iran, Kosovo, Lettland, Libanon, Marokko, Pakistan, Polen, Rumänien, Sri Lanka, Syrien, Tunesien, Türkei und Ukraine.

Die Aufenthaltsdauer der Teilnehmerinnen in Deutschland zu Beginn der Schulung erstreckt sich von 17 Monaten bis zu 40 Jahren.

 

Anschlussbeschäftigungen der Teilnehmerinnen

Insgesamt sind in OWL 44 Teilnehmerinnen im Anschluss an die Schulungen zunächst befristet als Integrationsbegleiterinnen in Kitas angestellt worden. Mehr als ein Drittel von ihnen ist nach 1-2 Jahren der Anstellung bereits entfristet worden.

Einige Teilnehmerinnen haben sich zudem, teilweise nach einer Zeit der Anstellung als Integrationsbegleiterin, für eine weitere Bildungsphase entschieden: für den Beginn einer Ausbildung zur Erzieherin oder Kinderpflegerin, für den Besuch eines Sprachkurses oder das Nachholen eines Schulabschlusses. Eine Teilnehmerin kann nach Anerkennung ihres Studiums aus dem Herkunftsland als Sozialarbeiterin arbeiten.

Weitere Teilnehmerinnen haben eine Anstellung im hauswirtschaftlichen Bereich angetreten.

 

Finanzierung der Schulungsmaßnahme

Voraussetzung für die Teilnahme an der Maßnahme ist, dass geflüchtete und migrierte Frauen über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein gefördert werden können, der durch die Jobcenter oder Agenturen für Arbeit ausgestellt wird.  Die Voraussetzungen hierfür werden durch die Jobcenter oder Agenturen für Arbeit geprüft. Die Kosten für die Schulung werden über die Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine gedeckt.

Für teilnehmende Kitas entstehen für die Dauer der Schulung keine Kosten.
In unserem Flyer finden Sie alle Informationen kurz zusammengefasst.

 

Weitere Informationen:
Dr. Franziska Eisenhuth (Projektleitung)
     Maike Lippelt (Mitarbeiterin Transfer)
     Erika Richert (Mitarbeiterin Transfer)
     Sara Weege (Sozialarbeiterin Maßnahme)

Integrationsbegleiterinnen@awo-owl.de
Tel. 0521-9216-249

Wenn Sie sich für eine Umsetzung des Projekts "Integrationsbegleiterinnen in Kitas" in Ihrer Kommune interessieren, berät und unterstützt Sie das Transferteam der AWO OWL gerne dabei.

 

 

Nähere Informationen zum Projekt

Von Links:
     Sara Weege (Sozialarbeiterin Maßnahme)
     Erika Richert (Mitarbeiterin Transfer)
Dr. Franziska Eisenhuth (Projektleitung)
     Maike Lippelt (Mitarbeiterin Transfer)
     
   

Der Schulung voran geht eine einmonatige Akquisephase, in der ein Sozialarbeiterinnen-Team Kennenlerngespräche mit potentiellen Teilnehmerinnen führt und jeweils eine geeignete Kandidatin für eine Kooperationskita sucht.

Voraussetzungen für eine Teilnahme an der Schulung aufseiten der Teilnehmerinnen sind

  • eine eigene Integrationserfahrung aufgrund von Flucht oder Migration nach Deutschland,
  • mündliche Deutschkenntnisse, die eine Verständigung im Alltag ermöglichen (kein zertifiziertes Sprachniveau erforderlich),
  • ein Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, der der Teilnehmerin bei Vorliegen der Voraussetzungen durch die Jobcenter oder Agenturen für Arbeit ausgestellt wird, sowie
  • eine persönliche Eignung und ein Interesse an der Schulung sowie einer Tätigkeit in der Kita.

Die Schulung selbst umfasst im Anschluss an die Akquisephase eine Dauer von sieben Monaten und ist in zwei Blöcke aufgeteilt:

1. Fachpraktische Anleitung/ Unterricht:

Die Teilnehmerinnen werden durch ein Sozialarbeiterinnen-Team geschult und beratend begleitet. Der Unterricht umfasst über 4 Monate hinweg 2 Vormittage pro Woche à 3 Zeitstunden. Geschult werden kann sowohl in Präsenz als auch digital und mithilfe alternativer Methoden. Nach 2 Monaten hospitieren die Teilnehmerinnen zusätzlich an einem Tag in der Woche in einer festen Kooperationskita à 5 Zeitstunden.

2. Fachpraktische Erprobung/ Praktikum:

An die Unterrichtsphase schließt sich ein 3-monatiges Praktikum im Umfang von 14 Wochenstunden in der jeweiligen Kita an, in der die Teilnehmerinnen bereits hospitiert haben. Die Sozialarbeiterinnen prüfen parallel individuelle Berufsperspektiven mit den Teilnehmerinnen.

Auswahl der Schulungsinhalte:

  • Aufgaben der Kita, Bildungsgrundsätze NRW, Rolle der Erzieher*innen, Bild vom Kind
  • Sprachbildung, Mehrsprachigkeit, Sprachmittlung
  • Vielfalt, Gender, Partizipation
  • Bewerbungstraining (Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsgespräche)
  • Vorstellung sozialer Berufe (z. B. Hauswirtschafter*in, Sozialassistent*in, Schulbegleitung)

Zusätzlich werden eine Auftakt- und eine Abschlussveranstaltung sowie Arbeitskreise (z. B. zu Anstellungsmöglichkeiten) unter Beteiligung der teilnehmenden Kitas und Trägervertreter*innen durchgeführt.

Im Anschluss an die Schulung bestehen verschiedene Möglichkeiten, Integrationsbegleiterinnen (in der Regel in den Kitas, in denen sie ihr Praktikum absolviert haben, alternativ aber auch in anderen Kitas) anzustellen:

Finanzierung über Budgets von Kitas:

  • Finanzierung von Integrationsbegleiterinnen als zusätzliches nicht-pädagogisches Personal (im Rahmen des Gesamtpersonals)
  • (Teil-)Finanzierung über zusätzliches Budget eines Familienzentrums
  • (Teil-)Finanzierung im Verbund von Nachbarkitas: Finanzierung über zusätzliche Finanzmittel oder durch eine Umlage von mehreren Kitas; hier kann bei Bedarf ein „Sprachmittlungspool“ entstehen, wenn mehrere verschiedensprachige Integrationsbegleiterinnen angestellt werden, die z. B. bei Elterngesprächen in den verschiedenen Kitas dolmetschen

 

Finanzierung über kommunale oder weitere Mittel (z. B. Stiftungen)

  • Kommunen oder Stiftungen finanzieren oder bezuschussen die Anstellung von Integrationsbegleiterinnen in Kitas

Aufgrund der erfolgreichen Modellphase in Ostwestfalen-Lippe wird eine Verbreiterung in ganz Nordrhein-Westfalen angestrebt. Neue interessierte Kommunen und Akteur*innen vor Ort werden durch die AWO OWL beim Aufbau neuer Standorte beraten, unterstützt und begleitet. 

Für den Aufbau eines neuen Standortes wird eine Zusammenarbeit benötigt zwischen

  1. einem oder mehreren Träger(n) von Kindertageseinrichtungen,
    Frauen mit eigener Integrationserfahrung aufgrund von Flucht oder Migration absolvieren ein Praktikum im Rahmen der Schulung in einer festen Kooperationskita, möglichst mit der Perspektive einer Anstellung in dieser 
     
  2. einem AZAV-zertifizierten Träger von Maßnahmen,
    der Träger lässt sich die Maßnahme zur Schulung von Integrationsbegleiterinnen bei einem Zertifizierungsunternehmen zertifizieren und führt dann die Schulung zu Integrationsbegleiterinnen in Kitas durch
     
  3. sowie i. d. R. einem oder mehreren regionalen Jobcenter(n)
    Jobcenter oder Agenturen für Arbeit stellen geeigneten Kundinnen mit Integrationserfahrung einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein zur Teilnahme an der Schulung aus.

Auch in Gelsenkirchen, im Kreis Coesfeld und in Kreis Mettmann wird die Maßnahme erfolgreich umgesetzt.

Ansprechpersonen:

Gelsenkirchen

Dr. Masha Gerding
Bereichsleitung "Qualifizieren und Arbeiten"
Arbeiterwohlfahrt Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop
Tel. 0209 – 40 94 103
masha.gerding@awo-gelsenkirchen.de
 

Kreis Coesfeld

Klaus Uhländer
Geschäftsführer rebeq GmbH
Tel. 02366 - 109141 
uhlaender@rebeq.de
 

Kreis Mettmann

Beate Haase
Leitung Personalentwicklung/Arbeitsmarktpolitik
Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Mettmann
Tel. 02104-970765
Beate.Haase@awo-kreis-mettmann.de

Daniela Fengler
Fachberatung Kindertageseinrichtungen
AWO Bezirksverband Niederrhein e.V.
Tel. 0201-3105128
Daniela.fengler@awo-niederrhein.de
 

Im Jahr 2020 führte das Forschungsunternehmen INTERVAL GmbH eine externe Evaluation des Modellprojekts „Integrationsbegleiterinnen in Kitas“ durch. In der Zusammenfassung der Ergebnisse wird deutlich, dass die Integrationsbegleiterinnen durchgehend eine Unterstützung für Kinder und Eltern mit Migrations- oder Fluchthintergrund sind.

Der Fokus lag auf den ersten beiden Schulungsdurchgängen in Ostwestfalen-Lippe, in denen insgesamt 46 Frauen geschult wurden. 28 waren zum Zeitpunkt der Erhebungen (Mai 2020) der Evaluation in einer Kita angestellt, davon 15 mit entfristeten Verträgen. Die Datenbasis der Evaluation umfasst:

  • schriftliche Online-Befragungen der Leitungen aller Kitas, die sich am ersten oder zweiten Schulungsdurchgang beteiligt und/oder Erfahrungen mit der Beschäftigung einer Integrationsbegleiterin hatten,
  • eine schriftliche Papier-Befragung der beschäftigten Integrationsbegleiterinnen in mehreren Sprachvarianten sowie
  • persönliche Leitfadeninterviews an vier ausgewählten Standorten mit den jeweiligen Integrationsbegleiterinnen und Eltern.


Zentrale Ergebnisse der Evaluation sind:

  • Sowohl geflüchtete und migrierte Familien in den Kitas als auch pädagogische Fachkräfte (bzw. die Kitas insgesamt) profitieren vom Einsatz von Integrationsbegleiterinnen, da wechselseitig Informationen weitergegeben, Vertrauen aufgebaut und Konflikte präventiv verhindert oder gelöst werden.
     
  • Ein großer Mehrwert des Einsatzes der Integrationsbegleiterinnen wird darin gesehen, dass durch sie zusätzliche Ressourcen für verschiedene Tätigkeiten mit Kindern und Eltern im Kita-Alltag zur Verfügung stehen. So wird eine intensivere Einzelbetreuung möglich, Kindern wird die Eingewöhnungsphase erleichtert, kindliches Lernen und sprachliche Entwicklung werden unterstützt. Zu Eltern, die bisher aufgrund von Sprachbarrieren nicht erreicht wurden, wird z. B. über Elterncafés und Übersetzungen bei Elternabenden ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und sie können stärker im Kitaalltag unterstützt werden. Eine Mutter beschreibt die Wirkung des Einsatzes einer Integrationsbegleiterin wie folgt: „Man hat das Gefühl, man muss nicht viel erklären. Es gibt jemand, der die gleiche Luft gerochen hat und die gleiche Erde begangen hat. […] Man fühlt sich angenommen und verstanden, so wie man ist.“
     
  • Integrationsbegleiterinnen agieren darüber hinaus auch als Lotsinnen von Familien im Sozialraum und begleiten oder vermitteln z. B. in Sprachkurse, Sportkurse, Eltern-Kind-Angebote oder zu Ärzt*innen.
     
  • Die deutliche Mehrheit der Einrichtungsleitungen sieht eine Entlastung der pädagogischen Fachkräfte durch ihre Integrationsbegleiterinnen. Über eine Festanstellung wird, diesen Einschätzungen zufolge, Verlässlichkeit und Planungssicherheit für beide Seiten erreicht.
     
  • Nach Angaben der Kita-Leitungen konnten die einzelnen Projektschritte sehr gut in die Abläufe der Kita integriert werden.
     
  • Für die Integrationsbegleiterinnen selbst stellt die Schulung eine gute Grundlage für den Einstieg in ein neues berufliches Tätigkeitsfeld dar. Sie treffen auf hohe Akzeptanz und zeigen auch selbst eine hohe Zufriedenheit mit ihrer Arbeit. Vielfach streben sie auch weitere Ausbildungen an (z. B. eine Ausbildung im frühpädagogischen Bereich).
     
  • Aus Evaluationssicht ist der begleitete Einstieg in den Arbeitsmarkt eine Stärke des Modellprojekts.

Eine ausführliche Zusammenfassung der Evaluationsergebnisse finden Sie hier.